Grundprinzipien von digitalen Projekten

firmbee com gcsNOsPEXfs unsplash scaled

Viele Wege führen nach Rom. Aus unserem Onlinekurs “App Konzeption” möchten wir eine Handvoll Prinzipien digitaler Projekte vorstellen, die sich in der Praxis bewährt haben. Diese Prinzipien sollten Sie unbedingt kennen um Ihr digitales Projekt auf einen erfolgreichen “Weg” zu bringen.

Nichts ist in Stein gemeißelt

Bei Online-Projekten gibt es einen wesentlichen Vorteil gegenüber analogen Projekten: Nichts ist in Stein gemeißelt. Das bedeutet nicht, dass beliebige Abstriche bei der Qualität in Ordnung sind, weil später sowieso nochmals alles geändert werden kann. Sondern es bedeutet, dass man geplant und gezielt mit bestimmten Features einen ersten Release veröffentlicht und nach und nach das Produkt (die App, die Website, etc.) erweitert bzw. verbessert.

Rapid Prototyping

Wenn das Budget knapp ist oder man sich „vortasten“ möchte, ist es sinnvoll mittels Rapid Prototyping einen ersten Prototyp zu erstellen.

Rapid Prototyping bedeutet, dass ein Prototyp schnell produziert wird und eine erste Veröffentlichung rasch stattfinden kann. Manchmal findet das erste (Prototyp-)Release für eine begrenzte Zielgruppe statt um potentielle Schwierigkeiten oder Fehler (Bugs) nicht gleich einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren.

Oft gibt es Projekte bei denen nicht gleich zu Beginn klar ist, welche Richtung eingeschlagen werden sollte. Gleichzeitig gibt es finanziellen und/oder zeitlichen Druck. Genau in diesen Fällen ist Rapid Prototyping ein gutes Instrument. Ein (nicht ganz perfekter und „abgespeckter“) Release der ein erstes wertvolles Feedback für die spätere Veröffentlichung/Vermarktung des optimierten Produkts liefert.

Einige Vorteile von Rapid Protoyping:

  • Schnelle Möglichkeit erste Umsätze zu erzielen und somit Liquidität zu schaffen
  • Marktpräsenz zeigen und Faktoren wie Marken-Wahrnehmung und -Sichtbarkeit aufbauen
  • Feedback von Early-Adopters nutzen um den späteren Haupt-Release qualitativ hochwertiger (fehlerfreier) und zielgruppenspezifischer zu gestalten

Rapid Prototyping hat aber auch Nachteile. Zu nennen wären zum Beispiel:

  • Verärgerung von NutzerInnen aufgrund von schlecht ausgereiften Features/Services
  • Vorsprung für Mitbewerb durch Reaktion auf Ihren Markteintritt
  • Falscher Rückschluss eines erfolglosen (Rapid-Prototype-)Markteintritts. Manchmal stellt sich der Erfolg erst später (bei einer zweiten, dritten oder noch späteren Release-Phase) ein.

Release Stufen

Denken Sie bei digitalen Projekten in Release-Stufen (Veröffentlichungs-Stufen). Diese können schon frühzeitig geplant werden. In anderen Worten: Sie müssen nicht gleich das perfekte allumfassende Produkt/Projekt veröffentlichen. Denken Sie daran: Digital ist nicht gleich analog.

Durch Release-Stufen, also die kontinuierliche Erweiterung und Verbesserung Ihres digitalen Produktes, können Sie

  • Initialkosten (zu Beginn) gering halten
  • Bugfixing (zu Beginn) überschaubar halten
  • Reaktionen/Feedback aus ersten Releases in Verbesserungen einfließen lassen
  • Projektmanagement weniger komplex gestalten und Teilprojekte bilden

Die Veröffentlichung in mehreren Schritten („Release Stufen“), nimmt im Idealfall einen gewissen finanziellen Druck und ein wenig organisatorische Komplexität aus Ihrem Projekt.

Anforderungen an jeden Release

Beachten Sie, dass Ihr App- beziehungsweise Online-Projekt sowohl bei ersten Release-Phasen (Rapid-Prototyping) als auch bei späteren Releases folgende Punkte erfüllen sollte/muss:

  • Sicherheit (z.B. Datensicherheit)
  • Kernfeatures (jene Funktionalitäten die das Produkt oder die Produkterweiterung auszeichnen)
  • Qualität (nicht alles muss zu Beginn 100%ig perfekt sein, aber achten Sie auf Mindeststandards, vor allem bei Serviceleistungen)
  • Erweiterbarkeit (stellen Sie sicher, dass Ihr Projekt in fast alle Richtungen veränderbar/anpassbar ist)

Diese Anforderungen können natürlich von Projekt zu Projekt variieren. Definieren Sie aber Mindest-Standards und kommunizieren Sie diese Standards Ihrem Team.

80/20-Regel

Wenn Sie über begrenzte Ressourcen (Zeit, Geld, Personal, Insights etc.) verfügen, und das ist meistens der Fall, dann wenden Sie die 80/20 Regel (Pareto-Prinzip) an.

Die 80/20-Regel bedeutet: 20% des Einsatzes (z.B. Zeit oder Geld) erwirtschaften 80% des Ergebnisses (z.B. Umsatz oder Gewinn).

Man kann das Pareto-Prinzip auch so formulieren: konzentrieren Sie sich auf die 20% Ihres Projektes die wirklich wichtig sind. Nehmen Sie sich Zeit um zu definieren, was aus Ihrer Sicht Ihr Projekt zum Erfolg führt. Packen Sie diese 20% in Ihre ersten Releases und schieben Sie alle anderen Tasks in spätere Releases.

Für Mikromanagement ist später Zeit

Natürlich kann man immer „mehr herausholen“. Dieser Prozess wird bekanntlich als Optimierung bezeichnet. Aber dafür ist später Zeit. Verlieren Sie sich nicht in Mikromanagement sondern konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche (80/20-Regel) um Ihr Produkt (App, Website, etc.) in überschaubarer Zeit erfolgreich zu launchen.